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Geheimbrief des Gefängnisdirektors mit Übersicht der kriegswichtigen Arbeitsbetriebe, 28.10.1942
Arolsen Archives

Im Oktober 1942 listete der Diezer Anstaltsdirektor Gamradt in einem geheimen Brief an das Reichsjustizministerium die für den Arbeitseinsatz der Gefangenen wichtigsten Betriebe der Diezer Strafanstalt während der Kriegszeit auf:

  • 67 Gefangene stellten in der Weberei Stoffe für die Kleidung und Betten der Häftlinge her, 30 von ihnen arbeiteten in der anstaltseigenen Landwirtschaft – beides waren Betriebe, die der Versorgung der Gefängnisinsassen dienten.
  • 39 Gefangene waren in der Limburger Firma Winkel tätig, deren Produktion von Papierverarbeitung auf Granathülsen umgestellt worden war.
  • 64 Gefangene stellten in der Sattlerei der Limburger Lederwarenfabrik Patronentaschen und Brotbeutel für die Wehrmacht her. In der Polsterei dieses Betriebs waren außerdem 16 Gefangene bei der Produktion von „Auflegematratzen für Rüstungsindustriearbeiterlager“ eingesetzt, einem Auftrag „des Reichsministers für Waffen und Munition“.
  • 12 Gefangene fertigten in der anstaltseigenen Schreinerei Militärschemel für die Luftwaffe; Gamradt zufolge war dies ein „indirekter Wehrmachtsauftrag“.
  • 26 Gefangene führten im Eigenbetrieb Druckerei „Drucksachen und Bucheinbände aller Art“ aus, davon „1/3 für Wehrmachtsdienststellen“.
  • Außerdem fertigten 83 Gefangene „Umschläge aller Art für Bedarf der Justiz- und andere Behörden, Wehrmacht, etwa 1/3 der Gesamtherstellung“.
  • Hinzu kamen die 50 im Geheimbrief genannten Häftlinge, die für die Firma Berkenhoff und Drebes aus Aßlar (bei Wetzlar) U-Boot- und Torpedonetze und Spezialdrahtseile fertigen mussten.

Dabei gab Direktor Gamradt an, dass fast alle Arbeitskommandos in Unterbesetzung arbeiteten und er eigentlich mindestens weitere 58 Häftlinge brauche.