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Zeugenaussage zur Zwangsblutentnahme April 1945

Vor mir, Major Fulton C. Vowell der amerikanischen Streitkräfte, autorisiert zur Eidabnahme, erschien heute Lannoy, Marceau persönlich und legte vermittels des vereidigten Übersetzers Richard S. Curry Eid ab, die folgende Aussage eigenhändig verfasst und unterschrieben zu haben:

Lannoy, Marceau, Rue De Marchiennes 7, Sallaumines, Pas de Calais, Franzose, am 9. November 1941 durch das Gericht von Béthune wegen Sabotage zu 15 [Jahren] Zwangsarbeit verurteilt, erstattet Anzeige gegen den Arzt Schäf. Man hat mir in der Krankenstation Blut abgenommen, im Januar 1943 und dann im September 1943 und im Januar 1944 – man hat mir bei diesen drei Malen insgesamt einen Liter Blut abgenommen. Beim ersten Mal 40cl [= 400ml]. Beim zweiten Mal 40cl [= 400ml]. Beim dritten Mal 20cl [= 200ml].

Ich habe alles getan, um mich zu verweigern, aber der Arzt hat mir geantwortet, dass ich verpflichtet wäre, und mir dann gesagt, dass ich es geben muss, weil die Nazis für die Franzosen getötet würden. Die Folgen meiner Blutabnahmen haben mich derart geschwächt, dass ich jeden Tag krank war mit Kopfweh und starker Schwäche – und ich habe keine zusätzliche Nahrung bekommen, obwohl das Essen nicht sehr essbar war, denn es war immer Wasser, was wir zu essen hatten. In Bezug auf die Kleidung war ich so schlecht bekleidet, dass es fast unmöglich war zu laufen.

Die vorliegende Erklärung, bestehend aus zwei Seiten*, wurde vom Unterzeichner am 13. April 1945 um 11 Uhr im Zuchthaus von Diez an der Lahn, Deutschland, eigenhändig verfasst und gilt daher als rechtmäßig.

[*In der Akte ist nur diese Seite enthalten.]