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Foto von Frederick Winzer Short vor seiner Verhaftung

„Ich kam schließlich in einem großen Nazi-Gefängnis mit dem Namen Diez-Lahn an, das in der Nähe von Frankfurt, West-Deutschland, liegt, wo ich zwei Jahre in Isolationshaft in der selben Zelle verbrachte, im obersten Stockwerk.
Die Behandlung durch die Nazi-Wärter war permanent grausam und brutal, besonders in den letzten zwölf Monaten, als die alliierten Bombardements Tag und Nacht häufiger wurden. Die Wärter kamen häufig in meine Zelle und verprügelten mich, und sie ließen mich oft einen ganzen Tag ohne Essen, und bei zahlreichen Gelegenheiten verweigerten sie mir sogar Trinkwasser. […]
Das Essen war eine Quasi-Aushungerungs-Kost und bestand während der letzten sechs Monate nur noch aus einem Minimum. Täglich eine dünne Scheibe trockenes Schwarzbrot mit einer kleinen Schüssel Wasser-Kohl-Suppe aus Sauerkraut. Es war ein langsames Verhungernlassen. Mein Gewicht betrug bei der Befreiung 36kg (meine Größe ist 1,83m, mein normales Gewicht beträgt 83kg).“

Foto von Frederick Winzer Short vor seiner Verhaftung, 1940
Island Archives, Guernsey

Frederick Short stammte von der britischen Insel Guernsey und war Polizist. Im Juli 1940 besetzten die Deutschen die Kanalinseln, sie wurden zu militärischen Festungen ausgebaut. Die Bevölkerung litt unter der Besatzung, vor allem Lebensmittel waren knapp. Frederick Short bildete gemeinsam mit Kollegen eine Gruppe, die Lebensmittel von den Deutschen stahl und damit Sabotage beging.

Anfang 1942 verhaftete die Gestapo die Mitglieder der Gruppe. Der Schauprozess endete mit drastischen Urteilen: Die 18 Angeklagten wurden entweder zu Gefängnisstrafen oder zu Zwangsarbeit in Deutschland verurteilt. Frederick Short wurde in die Strafanstalt Bernau am Chiemsee deportiert und musste Moorarbeiten in einer Strafgefangenen-Arbeitskolonne ableisten.

Die Verhältnisse waren KZ-ähnlich, und durch die schwere Arbeit wurde Frederick Short immer schwächer; medizinische Hilfe wurde ihm jedoch verweigert. In dieser Situation widersetzte er sich dem Lagerkommandanten und pochte darauf, dass ihm als Briten der Status eines Kriegsgefangenen und damit eine Behandlung nach der Genfer Konvention zustehe. Daraufhin wurde er in das Gestapo-Gefängnis nach München gebracht und zu lebenslanger Isolationshaft verurteilt. Inhaftiert wurde er ab Sommer 1943 in Diez.

Frederick Short überlebte diese Haft nur sehr knapp. Im Jahr 1965 stellte er einen Antrag auf Wiedergutmachung. Dazu schilderte er eindrücklich, was er im Diezer Gefängnis erlebt hatte:

(Lesung der deutschen Übersetzung: Peter Kunz)