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Nassauer Bote Konzentrationslager

Artikel aus dem ‚Nassauer Bote’, 16.9.1933
Stadtarchiv Limburg

Für viele Häftlinge war das Diezer Gefängnis eine Durchgangsstation in andere Haftanstalten, KZ, Strafbataillone und Strafgefangenenlager der Justiz. Das geschah offen: So wurde im September 1933 die Überstellung von politischen Häftlingen in die sogenannten ‚Emslandlager’ – die Konzentrationslager Neusustrum, Börgermoor und Esterwegen, die an der Grenze zu Ostfriesland lagen – per Zeitung bekannt gegeben. Beachtenswert ist hier die verharmlosende Formulierung, die Häftlinge seien an die „Wasserkante verschickt“ worden. Der Artikel zeigt, dass die Öffentlichkeit über die Existenz dieser Lager durchaus informiert war.

Im März 1937, als die Anstalt mit 570 Häftlingen überbelegt war, erhielt sie die Weisung, Gefangene auszusondern, „deren Überführung in die Strafgefangenenläger nichts entgegensteht“. Anstaltsleiter und -arzt mussten dazu alle Gefangenen durchmustern und diejenigen zurückstellen, die „moorunfähig“, also zu krank und schwach waren. 137 Diezer Häftlinge wurden schließlich in die Lager im Raum Papenburg „verschickt“.

1942 entschied das Justizministerium, Gefangene, die als sogenannte ‚Asoziale’ galten, zur ‚Vernichtung durch Arbeit’ in die KZ und damit aus dem Aufsichtsbereich der Justiz an die SS zu überstellen. Dies betraf alle Sicherungsverwahrten, Sinti und Roma, aber auch jüdische, russische und ukrainische Gefangene, ebenso Polen mit einer Strafe über drei Jahren. Über das Schicksal von Deutschen und Tschechen mit einer Strafe über acht Jahren entschied das Justizministerium nach einer individuellen Überprüfung, bei der festgestellt werden sollte, ob die Betroffenen „ihrem inneren Wesen nach asozial“ seien. Insgesamt wurden im Rahmen dieser Aktion mehr als 20.000 Menschen aus den Justizvollzugsanstalten in die Konzentrationslager gebracht. Wie viele Diezer Inhaftierte davon betroffen waren, ist bisher nicht bekannt.