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Anklagebeschluss wegen Teilnahme an einer KPD-Versammlung, 19.7.1933
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

Die Verfolgung der politischen Gegner der Nationalsozialisten schlug sich auch in Diez sehr deutlich nieder: Ihre Zahl stieg mit Beginn der NS-Herrschaft sprunghaft an. Während im Juni 1935 75 politische Gefangene inhaftiert waren, stieg ihre Zahl auf bis zu 172 im Dezember 1936. Sie wurden innerhalb des Gefängnisses räumlich von den anderen Inhaftierten getrennt.

Insbesondere die Anhänger der KPD waren neben Sozialdemokraten und Gewerkschaftern massiven Verhaftungswellen ausgesetzt, die mit Notverordnungen der Regierung gerechtfertigt wurden. Allein in den Jahren 1933/34 wurden deutschlandweit ca. 60.000 Kommunisten verhaftet – auch in der Region Limburg, wie das Dokument zeigt.

Aus den Akten geht hervor, dass die örtliche Polizei in Zusammenarbeit mit aus Obertiefenbach stammenden SA-Männern ein geheimes Treffen von KPD-Anhängern auf dem Beselicher Kopf überwachte, umstellte und den als Anführer identifizierten im Anschluss in „polit. Schutzhaft“ nahm. Die Verhaftung geschah allein aufgrund einer polizeilichen Anordnung und unterlag nicht rechtsstaatlichen Prinzipien. Offenbar waren vier der fünf Angeklagten bereits früher wegen ihrer politischen Tätigkeit verurteilt worden, sie galten daher als vorbestraft.

Die erhaltenen Vernehmungsprotokolle lassen vermuten, dass die Angeklagten misshandelt wurden: So gibt es Nachträge und Widerrufe der ursprünglichen Aussagen. Die Strafen waren dann eher milde: Der als Versammlungsleiter geltende Kurt Albin Krause erhielt eine Strafe von sechs Wochen Haft, den anderen Angeklagten wurden Geldstrafen auferlegt. Krause hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings schon mindestens fünf Monate in ‚Schutzhaft’ verbracht.

Dass die politischen Gegner der Nationalsozialisten auch nach der Entlassung aus der Diezer Haft immer wieder Verfolgungen ausgesetzt waren, zeigt beispielhaft die Biographie des Limburgers Wilhelm Zochert: Er wurde von Diez aus in das KZ Sonnenburg gebracht, wo er bis März 1934 inhaftiert blieb. 1936 kam er erneut in Justiz-Haft, die er in Kassel-Wehlheiden und Frankfurt/Main absaß. 1938 wurde er in das KZ Buchenwald überstellt, wo er im April 1945 durch die Amerikaner befreit wurde.

Wilhelm Zochert überlebte – im Gegensatz zu vielen anderen Anhängern der KPD: Es gibt Schätzungen, dass in ganz Deutschland etwa 20.000 von ihnen bis 1945 umgebracht wurden.